Wenn ein ausgewachsener Boxer erzogen werden soll, gibt es zwei mögliche Hintergründe:

Zum einen den ganz normalen Umstand, dass Hundeerziehung nicht damit endet, dass man mit dem Welpen oder Junghund einen Kurs in der Hundeschule absolviert hat, sondern dass auch erlernte Dinge mit dem Hund ständig geübt werden müssen. Sonst verflüchtigen sie sich nämlich mit der Zeit.

Zum anderen kann es notwendig werden, einen erwachsenen Boxer zu erziehen, falls er aus unglücklichen Verhältnissen stammt und als Welpe keinerlei Erziehung genossen hat.

In diesem Fall hast Du ihn vielleicht über eine Tierschutzorganisation bekommen, die Dich auch mit Rat und Hilfe unterstützen wird.

In beiden Fällen kannst Du im Grunde auf die gleiche Weise vorgehen – im zweiten Fall musst Du nur etwas mehr Geduld aufbringen.

Erwachsenen-Deutschen-Boxer-Erziehung

Das Erbe eines Gebrauchshundes

Um zu verstehen, wie ein Boxer erzogen werden will, ist es ratsam, sich seine natürlichen Anlagen einmal vor Augen zu führen. Gemäß der FCI-Klassifizierung gehört der Deutsche Boxer zur Gruppe 2 – Pinscher, Schnauzer, Molossoide und Sennenhunde. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft von Herdenschutz-, Lager- und Wachhundverwandschaft einerseits sowie klassischen Bullenbeißern und Kampfhunden andererseits.

Demnach ist der Deutsche Boxer ein strapazierfähiges, mutiges und wachsames Multitalent. Seine direkten Vorfahren waren die Brabanter Bullenbeißer, die als Jagdhunde dazu dienten, das aufgestöberte Wild beherzt zu packen und stur festzuhalten, bis der Jäger eintraf.

Man darf Boxern daher Nervenstärke, Kraft und Durchhaltevermögen unterstellen. Außerdem sind sie durchaus mit einer gewissen Arbeitsintelligenz ausgestattet, leicht zu motivieren und freundlich gegenüber ihrem Ersatzrudel. Als Arbeitshunde müssen sie allerdings auch ausgelastet sein, damit sie überschüssige Energie nicht in Unfug investieren können.

Grundsätzliches zur Erziehung des Deutschen Boxers

Die Mehrheit der erwachsenen Boxer verfügt über eine robuste Gutmütigkeit. Darin kann ein großer Vorteil liegen, falls Du einen Erwachsenen Boxer erziehen musst, dessen Vorgeschichte schwierig oder unbekannt ist.

Ein ängstlich zitterndes Häufchen Elend wird er wohl eher nicht sein. Mit ein wenig Glück ist er aber neugierig, verspielt, aufmerksam und dauerhaft hungrig. Hunde mit diesen Eigenschaften lassen sich sehr leicht zum Training motivieren, weil es einfach ist, sie zu belohnen. Wenn ein Spiel oder ein Leckerchen lockt, ist ein Boxer dabei.

Um Euer Zusammenleben nun möglichst fröhlich und reibungslos zu gestalten, wirst Du Deinem Boxer mindestens die grundlegenden Dinge wie Stubenreinheit, das Laufen mit und ohne Leine sowie den Umgang mit fremden Menschen und Artgenossen beibringen müssen. Am besten geht das, wenn Du sinnvolle Übungseinheiten so in Euren Alltag integrierst, dass Ihr ständig übt, bis es selbstverständlich ist.

Es ist gut möglich, dass Dein Boxer bei einigen Dingen ein wenig stur sein kann. Bleib einfach konsequent. Einmal „Nein“ bedeutet immer nein – ohne Ausnahme. Dann wird er bald lernen, dass er Energie spart, wenn er Dich gleich ernst nimmt.

Deckentraining

Die Übung dient dazu, den Hund auf einem ihm fest zugewiesenen Platz zu parken. Das muss nicht unbedingt eine Decke sein. Es kann auch sein Körbchen sein oder vielleicht benutzt ihr auch einen Kennel zu Hause.

Wichtig ist, dass er einen festen Platz hat, an dem er Auszeiten verbringt. Nicht als Strafe, sondern einfach, um ihm zu verdeutlichen, dass er jetzt Pause hat und gerade nichts anderes von ihm erwartet wird, als ruhig dort zu bleiben. Die Gewissheit, dass er jetzt nichts zu tun hat, erleichtert und entspannt den Hund, sobald er das verstanden hat.

Die Auszeit auf seiner Decke hilft bei vielen Erziehungsaufgaben. Du kannst damit jedes unerwünschte Verhalten im Haus sofort unterbrechen und danach unterbinden. Es klingelt und er stürmt kläffend zur Tür? Du schickst ihn auf seine Decke. Er bettelt bei Tisch? Du schickst ihn für den Rest der Mahlzeit auf seine Decke. So lernt er nebenbei auch gleich, kurz allein zu bleiben.

Das Training kannst Du ganz behutsam anfangen, indem Du ihn mit einem passenden Kommando wie „Decke“, „Körbchen“ oder was auch immer Euch einfällt, an seinen Platz bringst. Eventuell leinst Du ihn anfangs dort an.

Er wird sich bald von allein setzen und später auch hinlegen. Kurz darauf kannst Du ihn abholen und mit einem Leckerchen belohnen. Wenn Du die Zeit, die er dort verbringt, immer weiter verlängerst, wird er irgendwann schlafen.

Deutscher-Boxer-am-relaxen

Aus!

Der Befehl ist wirklich wichtig, gerade wenn Dein Boxer erwachsen und noch nicht lange bei Dir ist. Ein erwachsener Hund wird sich nicht unbedingt einfach etwas aus dem Fang nehmen lassen, von jemandem, der ihm nicht vertraut ist. So kann es zu ernsthaften Problemen kommen, wenn Du ihm tatsächlich einmal etwas dringend wegnehmen musst.

Zur Vorbeugung übt ihr einfach das Tauschen: Du gibst ihm ein Spielzeug, sagst dann „Aus!“ und hältst ihm dabei ein Leckerchen in der geschlossenen Faust hin. Es muss etwas sein, dass er wirklich unwiderstehlich findet.

Wenn er den Fang öffnet, um an Deiner Hand zu lecken, wird das, was Du ihm wegnehmen musst, herausfallen. Damit Du keine hektische Bewegung machst, die ihn erschrecken könnte, stellst Du unauffällig Deinen Fuß auf das Spielzeug, während Du ihn mit dem Leckerchen, das er jetzt haben darf, ablenkst.

Stubenreinheit

Ein erwachsener Hund, der nicht stubenrein ist, hat möglicherweise gesundheitliche Probleme oder eine Verhaltensstörung und sollte daher im Zweifelsfall lieber früher als später einem Tierarzt anvertraut werden. Bei Hunden, die das Leben im Haus noch gar nicht kennen, wird sich das Problem von allein erledigen, sobald sie sich eingelebt haben.

Das geschieht, weil es für einen erwachsenen Hund nicht normal ist, seine Höhle zu beschmutzen. Das tut kein Hund freiwillig, sondern nur aus Not, weil er Dein Haus noch nicht als seine Höhle ansieht oder weil er wirklich ein Verhaltensproblem hat. Am besten fütterst Du ihn zu festen Zeiten und gehst etwa zwei Stunden danach mit ihm nach draußen. Sobald er sich dort gelöst hat, gib ihm eine Belohnung, dann sollte das bald zuverlässig funktionieren.

Laufen an der Leine

Ein kurzes Vorwort zur Leine: Die Leine ist kein Spielzeug, sondern mehr so etwas wie der verlängerte Arm des Rudelführers. Damit wird nicht herumgetollt und Dein Boxer darf nicht in die Leine beißen.

Falls Dein Hund Angst vor der Leine zeigt, gewöhnst Du ihn behutsam daran, indem Du ihn auch im Haus eine dünne, leichte Laufleine tragen lässt. Etwa ein Meter genügt, damit Du das lose Ende in sicherer Entfernung von ihm aufnehmen kannst, ohne ihn zu verschrecken. Du wirst bald merken, dass er erleichtert folgt, wenn Du ihn an der Leine irgendwohin führst.

Damit er draußen gesittet an der Leine geht, brauchst Du ihm nur beizubringen, dass es ihn genau in die andere Richtung bringt, wenn er an der Leine zerrt. Dafür drehst Du konsequent um, sobald er sich in die Leine wirft. Es mag Dir zunächst ein wenig unangenehm sein und es ist auch anstrengend, weil man manchmal einfach nicht vom Fleck kommt, aber es hilft. Außerdem wirst Du feststellen, dass Du nicht der einzige Hundehalter bist, der sich auf diese Art entnervt fortbewegt, wenn Du erst darauf achtest.

Laufen ohne Leine

Wenn Dein Boxer das bisher hartnäckig nicht lernen wollte, brauchst Du eventuell eine sehr lange Leine, bevor er ohne Leine laufen kann. Eine Laufleine, deren Ende er hinter sich herziehen kann, hilft Dir, falls Dir kein eingezäuntes Grundstück zur Verfügung steht. Das Herankommen auf Kommando kannst Du im Haus schon üben und dann draußen einfach so fortsetzen.

Du rufst, er kommt, Du teilst ihm seine Belohnung zu. Kommt er nicht, ist die Laufleine wichtig, damit Du in der Lage bist, das Kommando in jedem Fall durchzusetzen. Tust Du das nicht, bringst Du ihm ungewollt bei, dass Du rufst, noch einmal rufst und weiter nichts passiert. Genau das soll er aber nicht lernen. Musstest Du ihn mit der Leine heranholen, belohnst Du ihn trotzdem.

Begegnungen mit Artgenossen

Hat Dein Boxer die Welpenspielstunde in der Hundeschule verpasst, wird er vielleicht Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Hunden zeigen. Boxer sind berüchtigt für ihre Body-Checks. Selbst eine freundlich gemeinte Kontaktaufnahme verstehen andere Hunde gelegentlich falsch, wenn sie zur Begrüßung geboxt werden. Da kannst Du ihm nur helfen, indem Du ihm entsprechend robuste Spielkumpel suchst – am besten in einer Hundeschule oder einem Verein.

Wenn Dein Boxer sich an der Leine schlecht benimmt, sobald andere Hunde auftauchen, gehst Du wiederum konsequent in die andere Richtung. Lässt sich das nicht umsetzen und ihr müsst andere Hunde an der Leine passieren, ist wichtig, dass Du ihm ermöglichst, sich ruhig zu verhalten, damit ihn anschließend loben kannst.

Dazu ist Abstand notwendig. Schau Dir einmal an, wie freilaufende Hunde sich aneinander annähern. Sie laufen nicht auf geradem Weg frontal aufeinander zu. Sie nähern sich vielmehr seitwärts, indem jeder der beiden einen Bogen läuft.

Das sind die „guten Sitten“ unter Hunden. Wenn Du Deinen Boxer zwingst, frontal ohne Höflichkeitsbogen auf einen anderen Hund zuzugehen, ist es nicht verwunderlich, wenn das zu einer aufgeregten Begegnung wird. Umgekehrt gilt das für den anderen Hund natürlich auch.

Begegnungen mit fremden Menschen

Natürlich meint er es nicht böse. Aber es ist trotzdem Deine Aufgabe, zu verhindern, dass Dein Hund Menschen anspringt oder anbellt. Zu Hause schickst Du ihn auf seine Decke, wenn Besuch kommt und er die Begrüßung übertreibt. Draußen hältst Du ihn an der Leine und erlaubst anderen eine Begrüßung erst dann, wenn Dein Hund ruhig ist oder sitzt.

Bildnachweis:
Bild von Michaela Ludwig auf Pixabay
Bild von Tolea auf Pixabay