Schon äußerlich sticht Deine Siam aus dem Heer anderer Katzenrassen heraus. Auch in Bezug auf artgerechte Haltung stellt sie recht eigene Ansprüche an Dich.

Die wohl größte Herausforderung aber ist die regelmäßige Beschäftigung mit Deiner Siam.

Dabei musst Du Dich als Halter/-in auf einiges gefasst machen, denn diese Katze ist einfach nicht normal.

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Zu schlau für dumme Spielchen

Allein der Gedanke an bloßes Spielen ist bei der Siam grundfalsch. Sie wie andere Katzen mit einem Federbüschel zu necken oder mit Leckerlis durchs Zimmer zu jagen funktioniert bei ihr nicht. Jedenfalls nicht länger, als bis sie die Einseitigkeit Deines hilflosen Bemühens durchschaut − und das dauert bei einer Siam nur Sekunden.

Als hochintelligente Vertreterin ihrer Art ist sie für dumme Spielchen viel zu schlau. Während andere Katzen mit diebischer Freude ein zehntes Mal auf die gleiche Laserpointer-Projektion tappen, zuckt die Siam bei so einem Angebot nur einmal kurz mit der Augenbraue bzw. den Tasthaaren.

Versuch gar nicht erst, ihr eines der üblichen Katzen-Spielzeuge schmackhaft zu machen. Sie wird es im besten Falle ignorieren. Im schlechtesten zieht sie aus dem herangeschafften Tool Rückschlüsse auf Deinen Geisteszustand und straft Dich mit leidenschaftlicher Verachtung.

Der Hund im Katzenpelz

Dieser Zustand hält jedoch nicht lange an, denn auch dafür ist Deine Siam viel zu schlau. Ihr ist klar, dass das Spiel ohne Regie nicht in Gang kommt − jedenfalls nicht so, wie sie es sich vorstellt. Daher übernimmt sie die Führung am liebsten selbst.

Sie ist eine − wenn nicht gar DIE − Katze, die leidenschaftlich gern apportiert. Der Hang dazu scheint angeboren zu sein, denn er lässt sich bei überdurchschnittlich vielen Vertretern der Rasse beobachten. Sobald die Siam in der Stimmung ist, sich beschäftigen zu lassen, schleppt sie ein Medium ihrer Wahl herbei. Wohlgemerkt: IHRER Wahl. Das kann durchaus das Bällchen sein, das Du eigens zu diesem Zweck angeschafft hast; ebenso gut aber auch ein völlig anderer Gegenstand.

Durch ihr großes Interesse am Apportieren wird sie Dich auffordern, das Objekt zu werfen oder zu rollen, um es sofort zu Dir zurückzubringen. Findet sie es nicht gleich wieder, geht sie buchstäblich über Tische und Bänke und wenn es sein muss sogar die Wand hoch.

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Volle Körperkontrolle

Beim Suchen beweist die Siam eine weitere außergewöhnliche Fähigkeit: Sie besitzt eine ausgezeichnete Beobachtungs- und Kombinationsgabe, die auch dann zum Tragen kommt, wenn die Katze „in Fahrt“ ist oder unter Stress steht.

Kullert das Bällchen unter den Schrank, japst Deine Siam ihm nicht etwa nach, sondern zieht logische Schlussfolgerungen. Kommt ihr Spielzeug nicht von alleine wieder zum Vorschein, schaut sie zunächst neben oder hinter dem Möbelstück nach. Erst wenn dort nichts zu holen ist, nimmt Deine Samtpfote den gleichen Weg wie der Ball.

Dabei geht sie jedoch wesentlich bedachter vor als manch andere Katze. Statt sich kopfüber in den schmalen Spalt zwischen Schrank und Fußboden zu zwängen, legt sich die Siam erstmal gemütlich zur Seite.

Sie weiß auch ohne Vibrissen-Test, dass ihre langen schlanken Gliedmaßen besser in enge Öffnungen passen als ihr gesamter Oberkörper mit dem relativ breiten Kopf. Besonders durchtriebene Exemplare benutzen zum „Angeln“ von Gegenständen gleich die Hinterbeine, da diese etwas länger sind als die vorderen Extremitäten.

Einmaliges Sprachtalent

Wenn das Handeln nicht zum gewünschten Ziel führt, beginnt die Siam zu schimpfen. Sie gurrt und keckert in den höchsten Tönen oder gibt eine Vielfalt anderer Laute von sich. Das tut sie aber auch aus Freude über das Gelingen ihres Plans oder weil das Spiel sie zu langweilen beginnt − oder einfach nur so. Kurz: eigentlich immer.

Die Siam gilt als ausgesprochen geschwätzige Katze. Sie kommentiert und kommuniziert sehr vieles sehr häufig und mitunter sehr laut. Doch was auf andere regelrecht störend wirken kann, gibt Dir Gelegenheit zu ausgiebigen „Plauderstunden“. Ansprachen und Dialoge sind eine Möglichkeit, Deiner Siam Aufmerksamkeit zu schenken und Dich mit ihr zu beschäftigen.

Besonderheiten beim Training mit der Siam

Darüber hinaus bietet die Laut- und Verständnisfähigkeit Deiner Siam eine gute Voraussetzung, um ihr Kommandos beizubringen. Prinzipiell ist das bei allen Katzenrassen möglich; hier funktioniert es jedoch besonders gut. Auch Gesten und Blicke lernt die aufmerksame Siam schnell zu deuten.

Für das Training ist entscheidend, dass Du erwünschtes Verhalten stets auf die gleiche Weise einforderst und konsequent bleibst. Das ist bei einem intelligenten Tier wie der Siam besonders wichtig, denn auch falsch oder nicht ausgeführte Kommandos speichert sie als Lernerfolg ab.

Im Zusammenspiel mit ihrer Beobachtungsgabe und ihrer hohen Menschenfixierung kompensiert Deine Samtpfote solche Missverständnisse jedoch erstaunlich gut. Fast wirkt es, als ob sie eher auf Deine Gedanken als auf Deine Befehle reagiert.

Mitunter gerät die Siam dabei in Konflikt mit ihrer Neigung, die Führung zu übernehmen. Hat sie das Gefühl, Du weißt nicht recht, was Du willst, entscheidet sie autark was richtig ist und handelt entsprechend. Doch sobald sie spürt, dass das nicht in Deinem Sinne war, korrigiert sie sich.

Diese Sensibilität ist der Rasse oft als Falschheit ausgelegt worden und hat das Bild der Siam zum Schlechten geprägt. Du weißt es besser und kannst dieser außerordentlichen Eigenschaft Deiner Katze viel Positives abgewinnen.

Unabdingbare Trainings-Grundlagen

Prinzipiell solltest Du die Trainings-Einheiten mit Deiner Samtpfote gut vorbereiten. Zu Beginn ist Routine besonders wichtig. Das heißt: Übe mit ihr immer am gleichen Ort und in ruhiger Umgebung. Ohne störende Geräuschquellen wie Musik oder ähnliches kann sich die hoch aufmerksame Siam am besten auf Deine Anforderungen konzentrieren.

Halte Häppchen bereit, damit Du sie für Trainings-Erfolge belohnen kannst und das Ergebnis positiv verstärkst. Achte darauf, diese Naschereien in ihre tägliche Ration einzuberechnen bzw. dieses Extra-Futter von der später folgenden Portion abzuziehen. Anderenfalls trainierst und mästest Du Deine Siam zu gleichen Teilen.

Das ideale Alter für Lern-Übungen erreicht Dein Stubentiger mit etwa einem Jahr. In diesem Alter hat sich die Sprunghaftigkeit der Kitten-Zeit gelegt und das legendäre Lernvermögen der Siam ist voll ausgeprägt. Außerdem ist sie nun in jeder Hinsicht stabil genug, das Training zu absolvieren.

Deine Rolle im Leben der Siam

Je nachdem, worauf Du Dich bei den Übungen konzentrierst, kannst Du Deiner Siam die verschiedensten Tricks beibringen. Dabei beweist sie immer wieder erstaunliche und Artübergreifende Fähigkeiten. So hat sie nicht nur große Freude am Apportieren, sondern zeigt auch beachtliche Lernerfolge beim Clickertraining und bei sogenanntem Intelligenz-Spielzeug.

Darüber hinaus lässt sich die Siam bereitwillig im Geschirr führen. Daran musst Du neben der Katze selbst jedoch auch Dein Umfeld gewöhnen, denn viele reagieren auf den Anblick einer angeleinten Samtpfote regelrecht ungehalten. Dann nutze die Gelegenheit, ihnen die Besonderheiten der Rasse zu erläutern und das falsche Bild von „typischen“ Katzen-Eigenschaften zu korrigieren.

Auch Du selbst lernst bei einer Siam immer wieder dazu. Sie ist eine Vertreterin, die sich nur schlecht in ein Muster pressen lässt. Durch ihre starke Prägung auf den Menschen reagiert sie noch individueller auf Gegebenheiten als es bei einzelnen Katzen-Exemplaren ohnehin der Fall ist. Gelegentlich hält Dir Deine Siam damit einen Spiegel vor und bereichert Euer Zusammensein auf ganz spezielle Weise.

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Bildnachweis:
Bild von rihaij auf Pixabay
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