Katzen faszinieren. Ihre Unabhängigkeit und Freiheitsliebe, ihre Eleganz. Allein in Deutschland soll es in über 9 Millionen Haushalten mindestens eine Katze geben.

Ein nicht geringer Prozentsatz davon sind reine Wohnungskatzen, die aus den eigenen vier Wänden nur zum Impfen herauskommen.

Warum werden Katzen als Wohnungskatzen gehalten? Kann man sie in der Wohnung überhaupt artgerecht halten?

Artgerechte-Haltung-Katze

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Was sagt das Tierschutzgesetz?

Im Tierschutzgesetz, Paragraph 2, heißt es: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Damit ist eigentlich schon festgelegt, was wir unter einer artgerechten Haltung zu verstehen haben. Oder nicht?

Was ist artgerecht?

Eine wirklich artgerechte Haltung, als eine Haltung, die der Katze das Leben in einem für ihre Art natürlichen Umfeld ermöglicht, ist hierzulande schlicht nicht möglich. Einfach, weil es in unseren Ortschaften kein natürliches Umfeld mehr gibt.

Häuser statt sonnenwarmen Felsen, Hochspannungsmasten statt rauschender Bäume und nicht zuletzt Straßen statt rieselnder Bäche prägen das Umfeld. Gerade die Straßen stellen eine große Gefahr für Katzen dar. Kein Wunder, dass reine Wohnungskatzen im Schnitt ein doppelt so hohes Alter erreichen wie Freigänger. Aber artgerechte Tierhaltung ist dennoch möglich.

Mit artgerechter Tierhaltung ist eine Haltung gemeint, die es dem Tier ermöglicht, seine angeborenen Bedürfnisse zu befriedigen. Zu denen gehören neben der Ernährung die Haltungsform, die Gestaltung des Lebensumfelds inklusive von sozialen Kontakten und ein artgerechter Umgang.

Bedürfnisse-Katze

Die Bedürfnisse einer Katze: Bewegungsfreiheit, Rückzug und soziale Kontakte

Um ein Tier artgerecht halten zu können, muss man erst einmal seine Bedürfnisse kennen. Ein Tier braucht Bewegungsfreiheit seinem Bewegungsbedürfnis angepasst. Auf eine Katze angewendet heißt das, dass sie sowohl laufen als auch klettern können will.

Da Katzen Individualisten sind, brauchen sie auf jeden Fall Rückzugsmöglichkeiten.

Katzen werden oft als Einzelgänger bezeichnet, das stimmt aber nur bedingt. Immer wieder kann man beobachten, sowohl im Freien, als auch auf begrenztem Raum wie zum Beispiel im Tierheim oder einer Wohnung, dass Katzen durchaus Körperkontakt auch zu Artgenossen suchen. Wenn eine Wohnungskatze über Tag viel allein ist, zum Beispiel wegen Berufstätigkeit, sollte daher darüber nachgedacht werden, lieber gleich zwei Stubentiger anzuschaffen.

Dabei müssen die Katzen aber zueinander passen. Wurfgeschwister eignen sich meistens gut dazu, wenn man sich ohnehin gerade eine junge Katze anschafft. Bei Tieren aus dem Tierheim kann man zum Beispiel darauf achten, welche sich ohnehin gut verstehen, beziehungsweise gegenseitig Nähe suchen.

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Jagdtrieb und Kratzmarkierungen

Eine Katze in der freien Natur klettert, sie erkundet die Umgebung, sie geht auf die Jagd, was bei ihr bedeutet, dass sie sich auf die Lauer legt. Dabei beobachtet sie die Umgebung mit angespannten Sinnen, um dann genau im richtigen Moment zu springen und Beute zu machen. Die Beutetiere einer Katze sind eher klein, sodass sie mehrmals am Tag jagen muss. Die Zeit dazwischen geht die Katze ihr Revier ab oder döst, wenn möglich an einem warmen Ort in der Sonne.

Zum Sozialverhalten der Katze gehört das Markieren ihres Reviers durch Kratzen mit den Krallen. In der Natur würden Bäume dafür herhalten müssen, in der Wohnung sind es, wenn nicht an den aus Sicht der Katze richtigen Stellen Kratzbretter angebracht wurden, meistens Möbel.

Um dem Entdeckungsdrang und Jagdtrieb der Katze gerecht zu werden, musst Du dir bei einer reinen Wohnungskatze etwas einfallen lassen. Ein Pappkarton, gefüllt mit Holzwolle oder zusammengeknüllter Zeitung, kleine Hindernisse im Zimmereingang, kleine Jagdspiele mit Katzenangel, Wollknäuel oder anderen Spielzeugen sollten zum Alltag gehören, damit deiner Wohnungskatze nicht langweilig wird und auch, damit sie sich genügend bewegt – gerade, wenn sie einzeln gehalten wird.

Wie sieht eine katzengerecht eingerichtete Wohnung aus?

Die Katze braucht die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Daher braucht die Wohnung, in der Katzen artgerecht gehalten werden sollen, genügend Rückzugsmöglichkeiten. Einerseits sollten mehrere Zimmer vorhanden sein, damit die Katzen sich gegenseitig und dem Menschen aus dem Weg gehen können, wenn sie das wünschen.

Andererseits sollte auch innerhalb jeden Zimmers auf verschiedenen Höhen Versteckmöglichkeit vorhanden sein. Das kann der Platz auf dem Regal hinter den Büchern sein, die Ecke unter dem Sofa oder der Platz hinter der Vase auf der Anrichte.

Außerdem beobachten Katzen gerne. Das entspricht ihrem Dasein als Lauerjäger. Daher sollte die Katze auch in der Wohnung genügend erhöhte Plätze vorfinden, von denen aus sie beobachten kann. Die Fensterbank ist bei vielen Katzen sehr beliebt, aber auch Regalbretter oder Schränke, auf denen man eine gute Aussicht hat, sind eine Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu befriedigen.

Artgerechtes Füttern

Der Futterplatz sollte sich an einer ungestörten Stelle befinden, nicht gerade im Flurdurchgang. Viele Katzen rühren das Futter nicht an, wenn zu viel los ist.

Katzen sind Jäger und damit Fleischfresser. Um eine artgerechte Ernährung zu sichern, sollte das Katzenfutter 80 bis 85 Prozent Fleisch mindestens enthalten. Bei einem guten Fertigfutter, das als Alleinfutter ausgewiesen ist, sollte das der Fall sein. Ein Blick auf die Zutatenlisten kann hilfreich sein.

Wenn Katzen mit Trockenfutter gefüttert werden, musst Du auf jeden Fall dafür sorgen, dass deine Katze genug trinkt. Eventuell muss sie mit einem Trinkbrunnen oder Ähnlichem zum Trinken angeregt werden. Da Katzen mehrfach am Tag kleine Beutetiere jagen, sollten sie immer wieder kleine Mahlzeiten angeboten bekommen. Trockenfutter kann auch mal längere Zeit im Napf stehen.

Toilettengang katzengerecht

In der freien Natur erledigt die Katze ihr Geschäft, wie die meisten Gartenbesitzer aus leidvoller Erfahrung wissen, am liebsten in sauberem, lockerem Untergrund. Frische Saatbeete und Rindenmulch auf gepflegten Wegen sind besonders beliebt.

Damit die Katze sich wohlfühlt, muss sie in der Wohnung analoge Bedingungen vorfinden: eine Katzentoilette an einem ruhigen Ort mit lockerer Streu, die regelmäßig gewechselt wird und nicht stinkt. Außerdem sollte sie groß genug sein, damit die Katze sich zunächst darin drehen und anschließend den Kot verscharren kann.

Die Sicherheit gewährleisten

Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Sicherheit der Katze. Verbietet man der Katze den Freigang, damit sie nicht im Autoverkehr umkommt, soll sie auch nicht in der Wohnung vom Kippfenster zerquetscht oder von Zimmerpflanzen vergiftet werden.

Auf jeden Fall gesichert werden müssen Fenster und eventuell vorhandener Balkon. Hierfür gibt es spezielle Vorrichtungen zu kaufen.

Zimmerpflanzen bereichern die Einrichtung und gerade Katzengras oder Katzenminze wird von Katzen gerne angenommen. Viele beliebte Zimmerpflanzen, wie zum Beispiel Birkenfeigen, Kakteen und Primeln oder auch die im Winter beliebten Weihnachtssterne, aber auch viele Schnittblumen wie zum Beispiel Osterglocken, sind für Pflanzen giftig.

Am besten erkundigst Du dich vor jeder Neuanschaffung, damit Du deinem Stubentiger nicht schadest.

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Bildnachweis:
Bild von KatinkavomWolfenmond auf Pixabay
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